Sachtler ™
A Vitec Group brand
Da huscht ein Strahlen über sein Gesicht: Jon Fauer, der bekannte und weltweit geschätzte Kameramann, entdeckt in der Sachtler Entwicklungsabteilung ein mehrere Meter langes Regal mit Schrauben für Fluidköpfe und Stative. Es scheint ihm wie das Paradies – in Hülle und Fülle das, was er bei jedem Dreh ständig sucht.
Nur eine kleine Episode, aber doch typisch für Fauer und seine Arbeit. Er widmet seine Aufmerksamkeit den kleinen Details. Er bleibt beim Firmenrundgang in Eching immer wieder stehen, um mit Sachtler Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen, sich Konstruktionszeichnungen am Computer-Bildschirm erläutern zu lassen, in der Entwicklungsabteilung den Konstrukteuren über die Schulter zu schauen oder mit einem kleinen Camcorder den Rundgang festzuhalten.
Der Erfahrungsaustausch steht im Zentrum seines Besuchs. In einem Round-Table-Gespräch mit Sachtler Produkt-Managern und der Marketingabteilung wird in der Wendelin Sachtler Academy über die Zukunft der Branche diskutiert.
„Zeit ist Geld, d.h. Geschwindigkeit ist das Thema der Zukunft“, so die Erfahrung von Fauer. „Nur wer kosteneffizient arbeitet, kann sich im Wettbewerb behaupten.“ Und das habe Konsequenzen auch für die Hersteller von Kamera Support. Kameraleute seien heute oft gezwungen, Projekte alleine umzusetzen. Das bedeute jedoch, dass Equipment leichter und flexibler werden muss. Dazu fällt Fauer das SOOM von Sachtler ein. „Ich habe es vor kurzem getestet, es ist als Stativ fantastisch – viel Equipment in einem tragbaren Koffer. Ich habe es aber auch oft als Monpod eingesetzt,“ erzählt Fauer.
Laut Fauer orientiert sich die Branche immer mehr international und scheint zunehmend in High-End-Produktionen, unabhängige Filme, Internet, TV und neue Medien aufgespalten zu werden. „High-End-Produktionen werden, denke ich, noch eine ganze Weile auf Film gedreht werden. Das hat wohl auch mit Wirtschaftlichkeit zu tun. Der von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences herausgegebene Bericht „Digital Dilemma“ hat uns gezeigt, dass Filmrollen momentan ein widerstandsfähiges Medium für die Archivierung darstellen und deren Lagerung immer noch weitaus weniger kostet, als die digital gespeicherter Aufnahmen. Allerdings werden Filmaufnahmen digital nachbearbeitet werden und 4K-Projektion wird auch bald in einem Kino in Ihrer Nähe Einzug halten, während digitale Kameras mit ständig verbesserter Auflösung den Markt erobern werden. TV ist ein hungriges Medium und HD-Produktion stillt diesen Hunger. Gleichzeitig jedoch werden viele Projekte
mit knappen Budgets produziert werden, welche die Anforderungen von Internet, SmartPhones und Computern erfüllen werden. Ich habe eine Prognose gesehen, die besagt, dass im Jahr 2010 neunzig Prozent aller Produktionen unabhängig sein werden und dass ein Großteil dieser Projekte von Ein-Mann-Teams (Chefkameramann / Kamerabedienung / Kameraassistenz / DIT) abgewickelt werden."
Darüber hinaus sieht Fauer voraus, dass HD-Kameras in Zukunft noch kleiner werden. „Bereits jetzt haben wir digitale Spiegelreflexkameras die in HD aufnehmen.“ Von HD möchte er allerdings schon gar nicht mehr sprechen. „In eineinhalb, zwei Jahren spätestens werden wir weit über HD hinaus sein. 2K wird zu 4K und wir haben bereits Demoaufnahmen in 10 K gesehen. Bei unserem nächsten Treffen werden wir von HHD oder UHD sprechen“, so Fauer, der hinzufügt, dass Filmrollen dann nicht mehr als Speichermedium verwendet würden. Stattdessen würden SD-Karten, Flash-Speicherkarten, Festplattenlaufwerke oder optische Laufwerke wie Negativfilmrollen für die Datenerstellung und Archivierung verwendet werden.
„Film ist und war immer ein universeller Standard, und er wird auch weiterhin der Maßstab sein, der kontinuierlich ansteigt," so Jon Fauer. „Inzwischen ist die digitale Entwicklung eine Demokratisierung dieses Prozesses und die RED Revolution hat uns allen gelehrt, dass es neue, aufregende Strukturen gibt. Eine Kameraausrüstung kann Hoffnungen erwecken, den Träumen von einem bestimmten Lebensstil Nahrung geben, den Weg zur Produktion ebnen. „Wenn ich mir eine Kamera kaufe, dann bin ich ein Kameramann“ – das ist der Traum. Allerdings bedeutet das noch nicht, dass man automatisch zum Filmemacher wird. Filme zu drehen ist eine Kunst und ein Handwerk, das Hingabe, harte Arbeit, geschickte Beleuchtung, einen sorgfältigen Aufbau und interessante Kameraführungen erfordert. Was die Filmarbeit vom Fotografieren unterscheidet, ist unter anderem Bewegung in die “bewegten Bilder” zu bringen.“
Als das Gespräch auf Kamera Support kommt, erklärt er: „Wie auch immer sich die Kameras weiterentwickeln, ob gefilmt oder digital gedreht wird, was wir immer brauchen werden sind ruhige Bewegungen, gute Köpfe und geschickte Unterstützung. Mit seinen sehr leichtgängigen, wunderschön gefertigten Köpfen hat Sachtler das immer bewerkstelligt. Es gibt nichts, was ich verbessern würde.“
Zurzeit ist Fauer auf dem Weg nach Japan, um dort ein Projekt zu beginnen. Danach folgt eine Produktion in Florida.